Urlaub und Wiederaufbau – Malapascua Island nach dem Supertaifun


Schon wenige Kilometer nördlich von Cebu City, konnten wir die Spuren von Supertaifun Haiyan verfolgen, der Anfang November 2013 quer durch die Philippinen und die weltweite Medienlandschaft gefegt war. Bea und ich hatten uns nämlich auf den Weg in Richtung Malapascua Island gemacht, um beim “Voluntourism-Projekt” von rebuild Malapascua ein wenig mitzuwirken.

Je näher wir Daanbantayan im Norden Cebus kamen, desto zerstörter wirkte die Gegend auf uns: entwurzelte Bäume, abgedeckte Dächer und große Supermärkte standen halb in Schutt. Die Palmen sahen etwas skurril aus, so als ob sie permanent von einem gigantischen Fön angeweht würden oder ein riesiger Kamm über sie gefegt wäre. Aber überall waren Menschen fleißig mit dem Wiederaufbau beschäftigt.

Entwurzelte Bäume auf Malapascua Island

Entwurzelte Bäume auf Malapascua Island

Malapascua Island ist eigentlich vor allem bekannt dafür, dass es hier – wenn es um die sogenannten Tresher-Sharks geht – einen der besten Tauchplätze weltweit gibt. Fast auf jedem Tauchgang können Abenteurer diese friedlichen Räuber auf ihren Streifzügen durch die Unterwasserwelt bewundern.

Nun gehörte das Eiland jedoch zu den Orten, die am stärksten vom Taifun verwüstet wurden – ähnlich wie das nahe gelegene Bantayan Island. Der Fokus der Medienberichterstattung lag zwar vor allem auf Tacloban und weiteren Orten auf Leyte, aber auch in anderen Regionen wurde die Infrastruktur weitgehend zerstört, worüber jedoch kaum berichtet wurde.

Malapascua Island nach Taifun Haiyan

Malapascua Island ist nach Supertaifun Haiyan bzw. Yolanda vor allem mit dem Wiederaufbau beschäftigt.

Wir setzten von einem kleinen Hafen in einem größeren Fischerboot nach Malapascua über und hatten Glück, dass bei Einbruch der Dämmerung überhaupt noch etwas nach Malapascua schipperte. In Maya, das teilweise einer Geisterstadt ähnelte, hätten wir nur ungern übernachtet. Bei dunkler Nacht kamen wir an und waren nicht schlecht überrascht, als wir dann am nächsten Morgen sahen, wie verwüstet die Insel wirklich war.

Ganze zwei Häuser standen noch, und immerhin leben offiziell 8000 Menschen auf der kleinen Insel Malapascua, inoffiziell sind es ein paar tausend mehr. Da von offizieller Seite her kaum Hilfe nach dem Taifun eingetroffen war, schlossen sich vor allem die Resort- und Tauschschulenbetreiber zusammen und mobilisierten alle Kräfte, um Hilfe zu leisten.

Diese Hilfe reichte von Notfallbehandlungen der durch den Taifun verletzten Menschen, über die Organisation von Lebensmitteln, bis zur Beschaffung wichtiger Materialien zum Wiederaufbau der Häuser. Für ein paar Dutzend Kinder wurde zusätzlich ein Ernährungsprogramm ins Leben gerufen, da bei gesundheitlichen Untersuchungen nach dem Taifun festgestellt wurde, dass viele Minderjährige unterernährt sind.

Daher werden die Spendengelder von rebuild Malapascua (www.rebuildmalapascua.com) auch dafür eingesetzt, um wenigstens eine warme Mahlzeit zu garantieren, die dann jeweils noch durch Vitaminpräparate ergänzt wird.

rebuild Malapascua - Ernährungsprogramm

rebuild Malapascua hat sich nicht nur zum Ziel gesetzt, mindestens 100 Familien beim Wiederaufbau der Häuser zu helfen, sondern auch ein Ernährungsprogramm für unterernährte Kinder ins Leben gerufen.

Auch Freiwillige wurden und werden immer noch rekrutiert, um die wichtigsten Infrastrukturen wiederherzustellen und beim Ernährungsprogramm mitzuhelfen. Wir sind dann auch auf Urlauber gestoßen, die selbst den Taifun vor Ort miterlebt haben, kurz danach die Insel verlassen hatten, nur um dann ein paar Tage später wiederzukommen und beim Wiederaufbau mitzuhelfen. Wir trafen noch auf einige weitere Touristen, die ganz bewusst nach Malapascua gekommen waren, um ihren Tauchurlaub mit Häuslebauen in der Tropensonne zu kombinieren. Warum auch nicht?

Schließlich ist den Insulanern ganz und gar nicht damit geholfen, wenn zu allem Unheil auch noch die Urlauber wegen Taifun Haiyan bzw. Yolanda (so wie der Taifun auf den Philippinen genannt wird) zuhause bleiben. Urlauben und arbeiten – so könnte man “Voluntourismus” (vom englischen “voluntourism” = “volunteering” + “tourism”) hier in etwa kurz zusammenfassen.

Taifun Haiyan zerstörte Beach Cottages

Bei diesem Resort wurden fast alle der 35 Cottages von Supertaifun Haiyan in Mitleidenschaft gezogen

Schon nach dem Erbeben auf Bohol hatten sich unter anderem in Cebu City einige Urlauber eingefunden, um zum Beispiel freiwillig beim Schnüren von Care-Paketen mitzuhelfen. Der “Voluntourismus” ist quasi noch eine gesteigerte Version davon. Allerdings sind uns schon kurz nach unserer Ankunft die Grenzen dieser recht modernen Form der Verknüpfung von Reisen und freiwilliger Hilfsarbeit bewusst geworden: Als wir am nächsten Tag beim Holzhausbau mitwirken wollten, hieß es ganz lapidar, dass es kein Material mehr gäbe – dieses würde erst am Tag unserer Abreise eintreffen. Es fehlt also auch an professioneller Hilfe, Logistik und Ingenieuren.

Es wird sicher noch Monate dauern, bis alles wieder “beim Alten” ist und die Spuren des bisher stärksten Taifuns überhaupt, der jemals auf Land getroffen ist und gemessen wurde, verwischt sind. Nach wie vor sind die Menschen auf den Philippinen auf externe Hilfe angewiesen – vor allem auf Inseln, die etwas abseits liegen.

Wer also in den Philippinen-Urlaub fliegen und etwas Gutes tun will, der kann sich entsprechende Voluntourismus-Projekte, wie sie auch auf Bantayan Island angeboten werden, einmal genauer anschauen. Trotz aller Umstände wird hier sehr gute Arbeit geleistet und von den anvisierten 100 Familien, welche auf Malapascua durch die Spendengelder unterstützt werden sollten, haben 94 mittlerweile wieder ein Dach über dem Kopf. Nun soll bis zu 200 weiteren Familien beim Hausbau durch das Projekt geholfen werden.

Das exotische Malapascua

Das exotische Malapascua

Neben dem Hilfsprojekt gibt es natürlich noch sehr viele weitere Gründe, um die malerische Insel zu besuchen. Und die Tresher Sharks hat der Taifun sowieso nicht interessiert – die tummeln sich immer noch freudig in den Gewässern um Malapascua Island herum.

Fotos: John Rüth und Bea Vaca.

Author: John Rüth

ist ein ewiger Vagabund, der ein Studium der Geschichte und Philosophie an der LMU München absolviert hat und seit März 2013 quer durch die Philippinen reist – meistens auf seinem Trekkingrad. Seine Leidenschaft für´s Reisen hat ihn schon in viele europäische Städte geführt und auch in weitere Länder Südostasiens wie Vietnam, Kambodscha und Thailand. Derzeit ist der deutsch-philippinische Mischling zum mittlerweile zwölften Mal auf den philippinischen Inseln unterwegs, nimmt an so vielen Triathlons und Marathons wie möglich teil, arbeitet als selbständiger Internetunternehmer und schreibt nicht nur auf VagabundoMagazine sondern vor allem auch auf www.philippinen-tours.de und www.reise-typ.de über seine Abenteuer.

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1 Kommentar

  1. Ich frage mich, wo all die Hunderte von NGOs geblieben sind, die doch bei jeder Naturkatastrophe wie Motten an einer Lichtquelle auftauchen. Ob sie alle in Tacloban geblieben und sich gegenseitig auf die Füsse gestanden sind?
    Gruss WILLI

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